Lieber tot

Ich fürchte mich so sehr vor dem Leben, dass ich es überhaupt nicht mehr hinbekomme, tatsächlich zu leben. Ich befinde mich nur noch in der Zukunft, bin immer dabei, mich zu sorgen, zu planen, zu fürchten um dann wieder zu verdrängen, bis alles wieder von vorn losgeht. Dabei werde ich das Gefühl nicht los, dass sowieso alles hoffnungslos ist, was die Angst nur noch weiter steigert und steigert und den ganzen Prozess immer mehr vorantreibt.

Die Gegenwart zieht währendessen an mir vorbei und wird bestenfalls ertragen. Als etwas, das leider unausweichlich ist. Als etwas, dem man nicht entkommen kann, egal wie sehr man es sich auch wünscht. Schlimmstenfalls suche ich die Isolation und vermeide alles, was sich irgendwie vermeiden lässt. Ich schließe die Augen, zähle bis zehn und hoffe, ich bin verschwunden.

Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal gut gefühlt habe. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal aufgewacht bin ohne mir zu wünschen, ich hätte es nicht getan. Ich weiß nicht, wann mein Leben das letzte Mal lebenswert war.

Die ganze Zeit ist da nur diese Anspannung, der Druck, die Angst. Ich habe ständig das Gefühl, als müsste ich die Luft anhalten, als dürfte ich nichts genießen, weil der Fall danach nur noch umso tiefer sein würde. Vor mir sehe ich nur die unendlichen Anforderungen, die das Leben an mich stellt, hinter mir sehe ich all meine Unzulänglichkeit, die mich wie eine Wand immer weiter auf den Abgrund zuschiebt.

Und immer wieder dieser eine Gedanke. Eigentlich wäre ich lieber tot.

Now playing: Schock - Am Ende
1.2.11 18:12
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ariadne / Website (1.2.11 20:13)
Ich wünschte wirklich, ich könnte das nicht so gut verstehen. Diese unendliche, unermessliche Lebensangst. Die habe ich auch... Jeder Tag ist ein neuer Kampf und es hört nie auf, einfach nie. Alles ist zu viel, die Anforderungen, die das Leben stellt, schon der Tag morgen ist zu viel... Ich weiß, dass es dir nicht hilft, aber ich verstehe dich. Bis ins kleinste Detail. Ich glaube, wenn ich nicht auch Angst vor dem Sterben hätte, wäre ich schon nicht mehr da.

Manchmal schreibe ich dennoch Lebenswertlisten. Ich versuche, irgendwas zu finden, was für einen Moment gut tut. Meine Tiere streicheln. Einen Tee trinken. Schnee. Manchmal hilft das, die Gegenwart zu ertragen.

Ich schicke dir Kraft.


MMaia (8.2.11 16:54)
Ich verstehe deine Gedanken auch sehr gut. Sehr gut. Gerade in den Depressiven Phasen meines Lebens wird das ganze Unerträglich deutlich. Ich glaube, dass ich auch in den einigermaßen nicht.depressiven Phasen eine ziemlich gute Verdrängerin. Ich sitze die meiste Zeit zuhause. Vermeide es rausgehen zu müssen und fühle mich am Wohlsten, wenn es so still ist, dass man die Stille hören kann. Manchmal reichen Lebenswerte Dinge nicht um mein Leben lebenswert zu machen denn der Schmerz übertüncht alle anderen Gefühle und das Schwarz überdeckt alle anderen Farben.

Ich habe keine tröstenden Worte für dich, denn ich weiß, dass diese zwar gelesen werden aber nicht angenommen werden können. Nicht in so einer Phase.

Eins kann ich dir aber mit Sicherheit schreiben:

DU BIST NICHT ALLEIN



Ich denke an dich



Maia


SweetestPain (9.2.11 11:12)
Als jemand, der genau das gleiche vor ein paar Jahren in ihr Tagebuch schrieb und heute trotz Kündigung, finanziellem Loch, Trennung und Todesfällen (alles in den vergangenen 3 Monaten) einfach nur dankbar für ihr Leben ist kann ich dir sagen: Es ist eine Frage deines Willens und deiner Geduld.
Vielleicht hasst du mich für diesen Spruch. Das macht ihn aber nicht weniger wahr.

Ich habe mein Leben gehasst. Hab mich so oft versucht von selbigen zu befreien. Und heute stehe ich vor dem gefühlten nichts und geniesse dennoch jeden Sonnenstrahl auf meiner Haut. Es geht. Es gibt immer Dinge für die es sich zu Leben lohnt. Niemand hat je gesagt, dass das Leben ein Kinderspiel ist - doch es kommt darauf an, was du draus machst. Immer.

Ich weiss, was du durch machst.
Aber ich weiss auch, dass es anders geht.

Es kostet Kraft (die du IMMER hast) und WILLEN, aber es geht. Das Glück ist zum Greifen nahe, Liebes - streck die Hand danach aus.


ariadne / Website (30.3.11 16:54)
hey... wollte nur mal hören, ob es dich noch gibt? Alles, alles Liebe!

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