Der Dezember

Keinem Monat stehe ich so zwiespältig gegenüber wie dem Dezember. Es gibt vieles, was ich am Dezember mag... die ganze Welt ist mit Glitzerlichtern dekoriert, in der Luft liegt ein ganz besonderer Geruch, ich kann endlich wieder Plätzchen backen und trinke pausenlos Tee.

Gleichzeitig ist der Dezember aber auch der Monat, der mir immer wieder so richtig weh tut. Weil es ein Familienmonat ist. Weil man in dieser Zeit so tun soll, als wäre alles normal, als wäre es selbstverständlich, dass man die Feiertage ganz idyllisch im Kreis seiner "Lieben" verbringt, als würde man sich nicht den Rest des Jahres bis auf's Blut hassen und den anderen verletzen wo es nur geht oder ihn gleich völlig ignorieren.

Ich hab versucht, mich damit abzufinden, dass Familie für mich nur Schmerz bedeutet. Meistens kann ich recht gut verdrängen, dass mir etwas fehlt, was mir Halt und Sicherheit gibt. Aber im Dezember ist es immer so schwer, das Fehlen von Familie auszugleichen. Ständig wird man mit dem Idealbild von Familie und Weihnachten konfrontiert, in der Werbung, im Alltag, durch seine Freunde, überall.

Jeder dumme Arsch kann in den Ferien nach Hause zu seiner Familie fahren und jeder dumme Arsch schaut mich dafür komisch an, dass ich es nicht tue. Meistens sind mir die dummen Ärsche egal. Aber im Dezember hasse ich sie. Im Dezember bin ich neidisch auf sie. Im Dezember wünschte ich, dass die dummen Ärsche sich auch einmal so unerwünscht und abgelehnt fühlen müssten wie ich. Oder dass sie wenigstens nicht ständig den Fokus darauf richten würden, dass ich keinen Platz in der Welt habe.

Im Dezember ist einfach so viel an der Oberfläche, was eigentlich ganz ganz weit unten vergraben sein sollte. Und das macht mich fertig.
30.12.10 01:20
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


silbertraum / Website (30.12.10 04:32)
Du sprichst mir aus der Seele...

Wenigstens sieht man hier in den Blogs, dass man mit dieser beschissenen Situation nicht alleine ist... Dass es anderen genauso geht... Kann Kontakt halten und sich austauschen mit Menschen, die diese Ambivalenz bezüglich Dezember/Weihnachten verstehen.

Auch wenn ich dir keine Familie bieten kann und dich im Grunde nicht einmal richtig kenne - ich denk an dich, mir bist du nicht egal. Ich lese gerne, was du schreibst, und in meinen Gedanken räume ich gerne ein Plätzchen für dich frei.

Alles Liebe, pass auf dich auf!


sturmherz / Website (2.1.11 13:17)
Ich fahre in den Ferien bzw. zu Weihnachten auch nicht zu meiner Familie. Und mir gehts ganz ähnlich damit... aber so nach und nach hört man auf, das zu vermissen. Ist irgendwie kein echter Trost, ich weiß ._.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen

| Home |
~
| The Asylum |
~
| Wonderland |
~
| Spare Room |
~
| Eternity |
~
| Morgue |

~

I feel like a child
crying for nothing
yet my heart
is dying for real

~



Gratis bloggen bei
myblog.de