116 Tage

Ungefähr seit August habe ich mich nicht mehr selbst verletzt. 116 Tage lang. Bis gestern.

Wenn ich versuche, diese 116 Tage zu bewerten, dann kann ich nur daran denken, dass es 116 schreckliche Tage waren. Ich glaube nicht, dass wirklich mal ein Tag vergangen ist, an dem mir das alles irgendwie leicht gefallen ist. An dem es erträglich gewesen wäre, ich selbst zu sein. Wenn ich versuche, den gestrigen Tag zu bewerten, dann weiß ich nur, dass ich erleichtert bin. Erleichtert und irgendwie auch einfach entlastet.

Mir ging es in den knapp 5 Monaten nicht besser, weil ich mich nicht mehr geschnitten habe. Überhaupt nicht. Eigentlich ging es mir sogar schlechter. Der Druck war immer da, auch der Hass, die Wut und die Schuld. Vor allem die Schuld... Nur wusste ich nicht mehr damit umzugehen. Ich fühlte mich so oft von Emotionen überflutet und auf gewisse Weise auch hilflos. In manchen Situationen konnte ich kaum noch an etwas anderes denken als daran, dass gerade alles zu viel ist.

Schon vor 2 Wochen habe ich mir neue Klingen gekauft und sie mit mir rumgetragen. Einfach nur rumgetragen, um mich nicht mehr so hilflos zu fühlen. Ich könnte es ja tun. Ich könnte. Wieder handlungsfähig sein.

Ist es falsch, so zu denken? Ist es falsch, erleichtert zu sein? Kann ich überhaupt anders denken, wenn es sich doch aber genau so (falsch?) anfühlt?

Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.

Ich weiß nur, dass ich noch immer keinen Weg gefunden habe, um richtig mit mir umzugehen. Mit meinen Emotionen, meinem Schmerz und dem ganzen Wahnsinn in mir drin. Ich weiß keinen besseren Weg, um die Schuld zu verringern oder den Druck. Keinen, der auch nur annähernd so effektiv ist. Keinen der sich für mich lohnt.

Und ich weiß, dass ich eigentlich auch keine Hoffnung mehr habe, einen anderen Weg zu finden. Solange das Gefühl bleibt, es tun zu müssen, es verdient zu haben, eigentlich noch viel Schlimmeres verdient zu haben, sehe ich keinen Sinn darin, es überhaupt zu versuchen.

Now playing: End Of Green - Sunday Mourning
8.12.10 21:32
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


silbertraum / Website (9.12.10 20:21)
Ach du *seufz* Deine Worte könnten von mir stammen, sie sprechen mir aus der Seele.

Man kann das SVV vielleicht eine gewisse Zeit unterdrücken, aber das löst eben nicht auch automatisch die Probleme, die normalerweise zu SVV führen. Leider. Man verletzt sich nicht, aber der Druck ist trotzdem da, staut sich auf, und irgendwann kann man an nichts anderes mehr denken.

Es ist nunmal Fakt, dass SVV hilft. Nicht im Sinne von "Probleme lösen", aber es wirkt verdammt effektiv gegen alle möglichen scheußlichen Gefühle. Und es wirkt so gut, dass es (fast?) unmöglich ist, etwas zu finden, das wirklich gleichwertig ist. Ich vergleiche es gerne mit Essen und Trinken - wenn ich hungrig bin, kann ich meinen Magen natürlich mit literweise Wasser füllen, dann bin ich auch vorübergehend satt - aber das ist bei weitem nicht so effektiv, wie wenn ich etwas esse...

Gib bitte die Hoffnung nicht auf. Du hast dich wieder verletzt und du fühlst dich erleichtert. Das ist okay. Du hast sehr sehr lange gekämpft und in dem Moment ging es eben wirklich nicht mehr. Aber werf deswegen nicht alles hin, ja? Du bist stark und du wirst Wege finden, mit deinen Emotionen auf gesunde Art umzugehen. Du bist ein wunderbarer Mensch und du hast ein Leben verdient, in dem es diese scheußlichen Gefühle nicht gibt (oder zumindest nicht so intensiv) und in dem du dir nicht weh tun musst.

Komm, steh auf, kämpf weiter *Hand reich*


Scherbengesicht (10.12.10 09:54)
Danke für deinen lieben und aufmunternden Kommentar. Ich sollte mir den vermutlich täglich durchlesen, bis er irgendwann richtig ankommt. Im Moment stehen noch alle Zeichen auf Sturm und ich will auf gar nichts Vernünftiges hören (allein aufgrund der Tatsache, dass es etwas Vernünftiges ist), aber vermutlich legt sich das auch wieder.
Danke für's Zuhören und Mutmachen

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