Systemabsturz

Es gibt Tage, da geht bei mir gar nichts mehr. Da fühle ich mich, als würde ich den Boden unter den Füßen verlieren, als hätte sich mein System komplett gegen die Wand gefahren.

Diese Tage sind voll innerer Anspannung, ich fühle mich getrieben, gehetzt, ruhelos. Gleichzeitig bin ich innerlich so schrecklich leer und ich finde nichts, um diese Leere aufzufüllen.

Meine Gedanken überschlagen sich, sie stolpern irgendwie vor sich hin und ich kann mich keine 5 Minuten konzentrieren. Meine Ängste, die ich normalerweise verdränge oder wegschiebe, werden so stark. Ich kann das Haus nicht verlassen, keine Menschen sehen, vor allem nicht mit ihnen reden, weil mich das alles irgendwie überfordert. Es überfordert mich, normal zu funktionieren oder zumindest so zu tun als ob, weil ich das Gefühl habe, innerlich komplett durchzudrehen.

Ich möchte zerspringen, aus der Haut fahren, vor mir selbst weglaufen, fliehen. An diesen Tagen weine ich, verzweifle ich, verletzte ich mich. Aber es funktioniert nicht, nicht so wie sonst. Irgendwie besteht die Anspannung weiter.

Ich kann es auch nicht an bestimmten Ereignissen festmachen. Die einzelnen Symptome sind letztlich so, wie ich mich immer fühle, nur ist alles viel viel stärker. Als ob es mir entgleitet, als ob die Kontrollmechanismen, die alles unten halten sollen, abgestürzt wären.

Ich versuche mich zu erinnern, wie es sonst war, aber weil es gerade so akut ist, ist es nicht wirklich klar. Immer wenn ich mittendrin bin, bin ich mir sicher, es würde nie mehr aufhören, ich würde mich immer so fühlen. Ich bin überzeugt, dass die Abstände zwischen den Abstürzen immer kürzer werden, dass es mir immer öfter misslingt, irgendwie zu funktionieren.

Ob es stimmt, weiß ich nicht.

Now playing: Janus - Überleben
8.6.10 09:10


Zu viel

Gerade in diesem Moment ist mir alles zu viel. Es kommt von allen Seiten, von überall her und es wird immer mehr, mehr, mehr. Anforderungen und Termine und wahnsinnig wichtige Dinge, die dringend und entscheidend sind, die erledigt werden müssen, am besten sofort oder noch besser gestern. Die Realität stürzt auf mich ein und ich kann nichts dagegen tun. Und dann kommt einer, der etwas von mir wissen will, was ich nicht weiß und einer, der mir 100 neue Aufgaben in die Hand drückt und sagt "erledige das bis morgen" und einer, der wegen mir enttäuscht ist und einer, der mich enttäuscht und einer, der noch ein Loch in meine bröckelnde Verteidigungsmauer reißt, einfach nur so, und natürlich einer, den ich abgrundtief hasse und von dem ich erkennen muss, dass ich es selbst bin.

Mein Kopf ist schwer und mein Herz noch viel schwerer und ich bin müde, unendlich müde. Kraftlos und erschöpft, aber daneben auch einfach wirklich nur müde im ganz grundsätzlichen Sinne, weil ich mich kaum noch zu schlafen traue, wo ich doch für alles so unglaublich viel Zeit brauche. Ich bin zu langsam und ich verstehe nichts, weiß nichts, kann nichts. Jeder Gedanke verschwindet in einem verworrenen Netz aus Angst und übertriebenen Ansprüchen und kommt nicht mehr zurück. Nichts wird so, wie es werden soll, obwohl ich doch alles besser, schneller, perfekter machen wollte. Und sollte. Muss.

Ich muss es schaffen, muss es können, muss es jetzt können. Ich muss den Dingen entgegentreten, mich trauen, alles überwinden, aufstehen, stark sein, kompetent. Und ich weiß nicht wie, ich weiß es nicht. Innerlich sehe ich das Bild der Person, die ich sein müsste, um alles zu schaffen, was gerade wichtig ist und im Spiegel sehe ich ein elendes Nichts, ein unfähiges, hässliches, dummes, fettes, inkompetentes und jämmerliches Stück Dreck und es passt einfach nicht zusammen.

Es ist noch nicht lange her, dass ich völlig ins Bodenlose gestürzt bin und ich bin noch gar nicht wieder aufgestanden, da muss ich weiter, weiter, weiter. Und ich darf nicht weitertaumeln, ich muss rennen, immer schneller rennen. Und wenn ich einen Wunsch frei hätte, nur einen Wunsch, dann würde ich mir 2 Wochen (Monate) im Dunkeln wünschen. Im Dunkeln, in Ruhe und allein. Ich würde dicht machen, alles zumachen, mich ausklinken, aufgeben, mich verstecken und mir einreden, dass es für immer ist. Und vielleicht würde ich auch nie mehr vorkommen, vielleicht würde ich für immer im Dunkeln in meinem Bett liegen und gar nichts fühlen und feststellen, dass es das beste Gefühl auf der ganzen Welt ist. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es die Dunkelheit, in der mich niemand findet.

Now playing: The Wounded - Running On Empty
15.6.10 22:57


Mein Herz, mein Herz ist traurig...

Mein Herz, mein Herz ist traurig,
Doch lustig leuchtet der Mai;
Ich stehe, gelehnt an der Linde,
Hoch auf der alten Bastei.

Da drunten fließt der blaue
Stadtgraben in stiller Ruh;
Ein Knabe fährt im Kahne,
Und angelt und pfeift dazu.

Jenseits erheben sich freundlich,
In winziger, bunter Gestalt,
Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,
Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

Die Mägde bleichen Wäsche,
Und springen im Gras herum;
Das Mühlrad stäubt Diamanten,
Ich höre sein fernes Gesumm.

Am alten grauen Turme
Ein Schilderhäuschen steht;
Ein rotgeröckter Bursche
Dort auf und nieder geht.

Er spielt mit seiner Flinte,
Die funkelt im Sonnenrot,
Er präsentiert und schultert -
Ich wollt, er schösse mich tot.

~ Heinrich Heine ~
25.6.10 00:17


Scherben

Alles in mir zerbricht, zerbricht, zerbricht. Jeder Schritt den ich gehe, scheint einer zuviel zu sein, jeder Gedanke in meinem Kopf ist viel zu laut, mein Herz zerreißt und ich weiß nicht warum.

Ich weiß nicht, was es ist. Was genau mich von innen zerfrisst, was mich zersplittern lässt und alles so viel schwerer macht. Ich traue mir selbst nicht mehr.

Es gab Zeiten, die leichter waren. Nicht gut. Es war niemals gut. Aber es gab Zeiten, in denen ich den Schmerz ertragen konnte, in denen ich so tun konnte als ob, in denen es möglich war, nicht auseinanderzubrechen. Und ich weiß nicht wo die hin sind.

Ich nehme all die Scherben, jedes Mal, und versuche sie wieder zusammenzusetzen. Wie ein Puzzle mit Splittern von mir selbst, die mich stechen, die mich verletzen. Und jedes Mal entstehen neue Teile, mehr Teile, weil wieder etwas zerbricht und es wird schwerer, so viel schwerer, alles aneinanderzufügen.

Weil es nicht passt. Weil es zuviel ist. Und weil etwas fehlt, das alles zusammenhält.

Und eine kleine Stimme in mir flüstert mir zu, dass es genug ist, dass ich aufhören soll, dass es einfach nicht mehr geht. Eine kleine Stimme flüstert von der Ruhe und der Dunkelheit. Eine kleine Stimme sagt mir, dass sie es einfach nicht mehr ertragen kann, alles noch einmal zusammenbrechen zu sehen. Immer wieder.

An Tagen wie heute kann ich nicht anders, als dieser Stimme zuzuhören. Und ihr zu glauben. Weil ich mir selbst nicht mehr trauen kann. Und weil ich jede einzelne Scherbe, jedes Fragment von mir selbst so sehr hasse.

Now playing: Katatonia - Don't Tell A Soul
30.6.10 19:11


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I feel like a child
crying for nothing
yet my heart
is dying for real

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