Kaputt

In mir drin fühlt sich im Moment einfach alles nur kaputt an. Ich fühle mich erschöpft, zerschlagen und weiß nicht so richtig warum. Ich fühle mich überfordert und hilflos. Klein und unbedeutend. Und ich habe Angst, so viel Angst.

Den letzten Monat habe ich zu 99% in Lethargie verbracht. Ich habe mich versteckt und so getan, als ob es mich gar nicht gäbe, weil jeder Gedanke an eine Existenz, an meine eigene Existenz mit den damit verbundenen Konsequenzen mich innerlich sterben ließ. Allein das Gefühl, am nächsten Morgen wieder aufstehen zu müssen, wieder zu funktionieren, wieder zu leben, wirkt für mich im Moment so groß, wie etwas, was ich unmöglich bewältigen kann. Ich glaube ich möchte es auch gar nicht mehr bewältigen. Ein Teil von mir hat es satt, so satt, das ewige Versuchen, das unausweichliche Scheitern, jeden Tag.

Ich möchte verschwinden, mich auflösen, weg sein, für immer immer weg sein, weil ich es einfach nicht mehr aushalte, ich selbst zu sein. Das Bild, das ich im Spiegel sehe, ist alles was ich hasse. Es ist erbärmlich, jämmerlich, widerlich. Und ich bin überzeugt davon, völlig überzeugt, das niemand, der dieses Wesen betrachtet, es irgendwie lieben kann.

Ich weiß nicht mehr weiter. Ich habe das Gefühl zu ertrinken, obwohl ich schwimmen kann, zu ersticken, obwohl ich atmen kann, mich zu verirren, obwohl der Weg klar vor mir liegt.

Ich glaube es wird jeden Tag schlimmer.

Now playing: Michelle Darkness - The Sound Of Silence
1.4.10 00:54


Diffus

Ich kann nicht behaupten, dass es mir in der Zwischenzeit besser geht, aber irgendwie geht es mir vielleicht auch nicht mehr viel schlechter. Ich kann es nicht recht sagen, irgendwie geht es mir... diffus. Mein Freund sagt das in letzter Zeit dauernd, eines seiner neuen Lieblingswörter. Diffus. Aber irgendwie passt es auch. Es ist so ein Gewirr und Gewaber von Gedanken und Gefühlen, die von "sofort aus dem Fenster springen", bis hin zu "nicht mal dazu habe ich Energie" reichen. Ein bisschen ist auch alles egal.

Aber es ist auch schwer. Das so in Worte zu fassen. Wie oft bekommt man die Frage zu hören: "Wie geht es dir?". Wie oft antwortet man ehrlich darauf? Ich glaube, ich lüge fast jedes Mal, einfach weil ich weiß, dass der Fragende es meistens sowieso nicht wirklich wissen will. Und, weil ich es meistens auch nicht von mir selbst wissen will. In letzter Zeit versuche ich es zu vermeiden, innezuhalten und in mich zu gehen. Lieber wegschauen, wegsperren, alle Gedanken in eine große Kiste und den größten Stapel Bücher drauf, den die Welt je gesehen hat.

Es gibt auch Zeiten, in denen ich gern anders wäre. Glücklicher, freier und vor allem nicht so von Panik zerfressen. Aber am Scheitern hat mich das noch nie gehindert. Ich glaube es liegt daran, wie ich die Dinge grundsätzlich wahrnehme. Was für andere völlig normal und problemlos ist, erhebt sich bei mir zum weltuntergang. Worüber jeder Mensch in zwei Tagen nicht mehr nachdenkt, bereitet mir für immer schlaflose Nächte. Ich habe so oft grundlos Angst, dass es schon lächerlich ist. Irgendetwas in mir ist kaputt, defekt, verkehrt und falsch. Es funktioniert nicht.

Und ich frage mich so oft (obwohl ich all diese Gedanken ja vermeiden wollte), wann das alles angefangen hat, wo es herkam. Ich frage mich, ob man es irgendwie vermeiden konnte, ob es diesen einen Punkt gab, an dem sich alles entschieden hat und von dem an es nur noch bergab ging. Wann das war, was da war. Oder ob ich, schlicht und einfach, an dem Tag an dem ich geboren wurde, fehlerhaft auf die Welt kam. Nicht funktionstüchtig.

Eigentlich gibt es nur eines, worüber ich keinen Zweifel habe. Was es auch ist, man kann es nicht mehr reparieren.

Now playing: Telegram Frank - Heartily Sorry
8.4.10 04:23


Gespenst

An manchen Tagen fühle ich mich wie ein Gespenst. An diesen Tagen bin ich irgendwie nicht richtig da und alles geht an mir vorbei. Irgendwann an so einem Tag stehe ich auf und im nächsten Moment ist es dann auch schon wieder Nacht. Oder ich bleibe den ganzen Tag im Bett. Ich liege und fühle gar nichts.

Alles ist irgendwie gedämpft, weit weg und leise gestellt. Oberflächlich ist alles wie immer, aber in mir drin bin ich woanders. Da, wo man ein Gespenst sein kann, das keiner sieht und das keiner wahrnimmt. Und im Spiegel sehe ich nichts als große Augen in einem blassen Gesicht und alles andere, was ich so verabscheue, meine ganze restliche Existenz ist nicht da. Gespenster sind schließlich unsichtbar.

Und mein Kopf ist wie mit Watte gefüllt, meine Gedanken sind langsam und verworren und ich verirre mich in mir selbst. Ich wandere stundenlang umher, in mir drin, und dabei fühle ich mich leicht, so leicht und irgendwie auch ertrunken.

Aber das ist in Ordnung so. Ich mag es. Es ist besser als wach zu sein, als real zu sein. Es überfordert mich nichts, denn schließlich bin ich ja nicht da. Manchmal glaube ich dann, dass meine Gespenstertage das beste sind, was ich kriegen kann.

Now playing: Tiamat - Via Dolorosa
8.4.10 23:58


Opheliac

Whether I swim or sink
That's no concern of yours now
How could you possibly think
You had the power to know how
To keep me breathing
As the water rises up again
Before I slip away

Emilie Autumn - Opheliac
13.4.10 00:44


Manipuliert

Aus gegebenen Gründen halte ich den Kontakt zu meinen Eltern so gering wie möglich. Ich habe sie jetzt seit ungefähr 1 1/2 Jahren nicht mehr gesehen und wenn ich ehrlich bin, dann wünsche ich mir, dass daraus ein für immer wird. Mit meiner Mutter habe ich auch schon seit gut einem Jahr nicht mehr telefoniert, ich bekomme nur geheuchelte Glückwunschs-SMS zu irgendwelchen Feiertagen, auf die ich meist nicht reagiere.

Nur mit meinem Vater muss ich gelegentlich noch in Kontakt treten. Wenn es um Geld geht oder um irgendwelche Unterlagen für diverse Ämter. Ich hasse das. Ich hasse diese Abhängigkeit. Ich wünschte, ich könnte den Kontakt vollständig abbrechen. Mir eine neue Handynummer besorgen, nochmal umziehen, am besten einen ganz neuen Namen und ein neues Gesicht zulegen, damit sie mich nicht mehr finden. Aber dank der Abhängigkeit muss ich ein gewisses Maß an Diplomatie aufrecht erhalten und das tut weh. Es tut weh, weil ich in diesen Gesprächen immer so tun muss, als ob alles in Ordnung wäre. Ich muss so tun, als würde ich nicht am liebsten schreien und durchdrehen. Ich muss kooperieren.

Und mein Vater nutzt diese Gelegenheiten. Er nutzt sie um mich zu manipulieren. Ich weiß nicht, ob er das ganz bewusst tut um mir zu schaden, oder ob er das irgendwie für sich selbst braucht. Gerne lügt er mir vor, wie pleite er ist und wie schlecht es um alles steht, obwohl es ein offenes Geheimnis ist, dass das so nicht stimmt. Noch lieber stellt er heraus, wie sehr er sich aufopfert, um mir alles zu ermöglichen. Er tut so, als ob er sich kümmert, als ob er da wäre. Aber er war nie da, nie, er hat sich um nichts gekümmert, er hat immer nur gelogen und betrogen und geredet, geredet, geredet. Das konnte er am besten. Er konnte reden und einem die Worte im Mund verdrehen. Er konnte mich manipulieren, mich verwirren, mich nahezu programmieren. Er konnte in mir Schuldgefühle hervorrufen oder panische Angst und immer konnte er mir das Gefühl geben, ich sei gierig und unverschämt. Und es sind nicht mal so die Dinge selbst, die er heute sagt, die mich so fertig machen, sondern was diese Dinge hervorrufen. Sie aktivieren in mir so viele alte Schemata und festgefahrene Denkstrukturen, die den Hass auf mich selbst neu anschüren und längst verdrängte Erinnerungen wieder hochholen. Nach jedem Kontakt sitze ich vor einem Scherbenhaufen und schlimmer noch, es ist immer derselbe Scherbenhaufen, dasselbe Problem. Wieder fühle ich mich so benutzt, so widerlich. Und ich habe keine Lust, keine Energie mehr, jedes Mal wieder von vorne zu beginnen. Es macht mich schier wahnsinnig, dass ich es nicht schaffe, darüber hinwegzukommen, stärker zu sein oder es wenigstens effektiv zu unterdrücken. Ich bin immer so schwach, schwach, schwach.

Aber das schlimmste, das schlimmste was er sagen kann, ist dass mich so gern mal wieder sehen würde. Ich verstehe das nicht. Ich verstehe nicht, warum er das tut. Ich gebe mir wirklich so viel Mühe, mich gegenüber meinen Eltern wie ein Arschloch zu verhalten, ich versuche abweisend zu sein, ich melde mich nicht, ich reagiere nicht, sofern es meine Pseudo-Diplomatie zulässt. Ich weiß nicht, warum er die Grenze nicht sieht, die ich ganz offensichtlich gezogen habe. Sie ist da, mit Stacheldraht und allem drum und dran und er ignoriert sie. Auch verstehe ich sein Bedürfnis nicht. In den letzten Jahren in denen ich noch "zu Hause" gewohnt habe, war er permanent abwesend und wenn er da war, war er auch nur daran interessiert, mir zu schaden. Ich weiß nicht, was er von mir will. Oder warum er es will.

Ich fühle mich bedroht und ich habe Angst, dass er es wahrmacht. Dass meine Eltern eines Tages vor meiner Tür stehen. Ich will das nicht, ich will sie nicht mehr in meinem Leben haben. Meine Wohnung ist meine Insel, mein sicherer Ort. In meiner Wohnung ist nichts von all den schlimmen Dingen von früher passiert und deshalb darf auch das "Früher" hier nicht rein. Das würde alles kaputt machen. Innerlich sehe ich es immer wieder vor mir, wie sie hier eindringen, wie sie wieder Macht über mich haben, wie mir klar wird, dass ich immer noch hilflos und gelähmt bin. An solchen Tagen wünsche ich meinen Eltern insgeheim den Tod. Nicht aus Grausamkeit oder Rachsucht. Nur aus Angst.

Now playing: End Of Green - She's Wild
18.4.10 19:30


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I feel like a child
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