Abhängigkeit

Ich wäre so gern ein emotional unabhängiger, stabiler und starker Mensch. Aber das bin ich nicht. Ich bin das Gegenteil.

Ich bin emotional vollkommen abhängig, ich klammere, ich weine. Ich liebe zu sehr und ich liebe zu intensiv und ich verliere mich völlig im Gefühl zu einer bestimmten Person. Wie eine Ertrinkende klammere ich mich an das Gute und Schöne, von dem ich kaum zu glauben wage, dass es mir wirklich passiert und verliere halb den Verstand bei dem Gedanken, es könnte irgendwann aufhören.

Ich bin ein Psycho, der allein nicht zurechtkommt, ein Psycho, der emotional so verdreht ist, dass er ständig Bestätigung, Schutz, Nähe, Wärme braucht. Immer mehr, mehr, mehr. Eine Daueraufgabe, ein endloses Projekt. Und dabei bin ich so misstrauisch, so verletzt, so hilflos und voller Angst, dass ich all diese Dinge, so selten sie doch schon sind, auch noch pausenlos in Frage stelle.

Aber ich bin auch ein Psycho unter Psychos. Nicht die einzige mit Wunden, nicht die einzige mit Problemen, nicht die einzige, die manchmal die Realität verdreht und einen Kampf gegen sich selber führt um zu töten, was noch in der Lage ist, Schmerz zu empfinden.

Ich hatte vergessen, dass dieser Kampf manchmal Opfer fordert. Ich hatte vergessen, wie es ist, wenn man manchmal voller Angst um sich schlägt und schlägt und schlägt und schlägt, weil man nicht mehr weiter weiß und weil man alles auslöschen muss, was es wagt, nah genug heranzukommen, um getroffen zu werden. Ich hatte vergessen, wie es ist, dieses Opfer zu sein.

Vielleicht war ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt, vielleicht war es auch einfach der falsche Zeitpunkt, vielleicht brechen gerade so viele Wunden wieder auf und ich gehe allein daran zu Grunde, dass ich viel zu sehr glaube, sie nicht mehr schließen zu können.

Ich weiß nicht, was es war, ich weiß nur, dass es mich so völlig unvorbereitet getroffen hat. Und so taumelte ich dann weiter in deine Richtung und versuchte zu klammern, zu halten, zu erdrücken, in meiner hilflosen, bedürftigen und erbärmlichen Art, während du doch dabei warst, zu rennen, zu verstecken, von dir zu stoßen und um dich zu schlagen. Und je näher ich kam, je fester ich dich hielt, weil ich in meiner Angst doch nicht wusste, was sonst zu tun war, umso stärker hast du dich gewehrt, umso erbitterter hast du versucht, das Feindbild zu zerstören, zu dem ich für dich mit einem Mal geworden war.

Und wenn ich zum Teil auch verstehe, warum du es getan hast, so wirkt in mir doch immer noch die Angst. Wenn wir es auch überstanden haben, so stehe ich immer noch zwischen den Scherben der Dinge, die wir zerschlagen haben und weiß nicht, wie ich alles wieder zusammensetzen soll.

Ich schreibe dies nicht, um zu verletzen und auch nicht, um anzuklagen. Ich sollte vielleicht gar nichts schreiben, gar nichts sagen, einfach die Augen schließen und warten bis es vorbei ist. Aber in mir ist diese Stimme, diese Stimme in meinem Kopf, die immer darauf gewartet hat, dass es soweit kommt. Die Stimme, die mir jetzt sagen kann, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch du mich hasst, bis auch du mich satt hast, bis auch du mir gibst, was ich verdient habe und das alles meine meine meine Schuld war. Ich verstehe vom Kopf, dass es nicht so ist, aber trotzdem fühlt es sich so an. Trotzdem flüstert es in mir drin, trotzdem zerrt es in mir drin, trotzdem verzweifle ich, weil ich glaube, dass ich mit all dem nicht mehr fertig werde.

Und wenn ich es so verarbeite, wenn ich es aufschreibe, auch die Gedanken, die man nicht aussprechen sollte, dann tue ich es, weil ich es tun muss, weil ich sonst verrückt werde und weil ich Angst habe.

Ich bitte dich nur um eines, ich bitte dich nur um das Recht, diesen Schmerz jetzt zu empfinden, das Recht, verletzt zu sein und Zeit zum heilen zu brauchen. Weil ich das brauche, weil ich wissen muss, dass es real ist, dass ich es richtig sehe und das ich das was ich fühle, auch fühlen darf. Weil ich Angst habe, panische Angst, dass es doch wieder so wie früher ist, als ich nicht mehr wusste, was echt war und was nicht, was Einbildung und was Realität. Weil mir damals jedes Recht auf Gefühle abgesprochen wurde, weil jeder Schmerz den ich fühlte nur meinem Egoismus entsprang und jedes Gefühl der Vernachlässigung und Ungerechtigkeit seinen Ursprung darin hatte, dass ich so schlecht war, dass man mich einfach nicht anders behandeln konnte.

Wenn du mir das geben kannst, diese Zeit und diesen Schmerz, dann werde ich tun, was nötig ist, um die Scherben wieder zusammenzusetzen.

Now playing: Emilie Autumn - Mad Girl
1.11.09 16:26


Still

Jetzt, in diesem Moment, fällt es mir schwer, nicht einfach aufzugeben. Jetzt im Moment bin ich fest davon überzeugt, das alles, einfach alles, so viel besser wäre, wenn ich nur endlich weg wäre.

Es ist so einfach, all die Sachen, die in der letzten Zeit gesagt worden sind - teils mit Berechtigung und teils durch all den Zorn und die Wut - zu nehmen und gegen mich zu wenden. Es ist der Weg, den ich immer gehe, meine Geschichte und mein Leben. Irgendwann ist irgendetwas in mir kaputt gegangen, warum und wie weiß ich heute auch nicht mehr. Seitdem ist es für mich die naheliegendste Reaktion der Welt, alles gegen mich zu richten. Ich weiß nicht mehr, wie man sonst mit den schweren Dingen im Leben umgeht, ich weiß nicht, wie man normal darauf reagiert, dass man innerlich das Gefühl hat zu sterben, ich weiß nicht, wie man all diese Gefühle bewältigt, ich weiß nicht wie es geht.

Ich möchte gern normal sein, manchmal möchte ich das wirklich. Aber normal zu sein ist so schwierig.

Manchmal (meistens) erscheint es mir viel leichter, einfach aufzuhören, aufzugeben, zu fallen. Weil das etwas ist, was ich gut kann, weil ich mich damit auskenne, weil ich all die Feinheiten und Techniken beherrsche, die es braucht, um sich selbst zu zerstören. Weil es etwas ist, an dessen Richtigkeit ich ausnahmsweise mal keine Zweifel habe. Und weil ich so gerne davonlaufe.

Ich bin nicht mutig. Ich trete den Schwierigkeiten des Lebens nicht entschlossen entgegen. Ich habe viel zu viel Angst und viel zu wenig Kraft. Manchmal versuche ich mir einzureden, dass ich glücklich werden könnte. Und dass es für mich einen Platz auf dieser Welt gibt. Sogar für mich.

Aber viel öfter (immer) rede ich mir ein, dass es für mich keinen Platz gibt. Nicht in dieser Welt, nicht in diesem Leben, nicht hier und nicht jetzt.

Ich möchte nicht mehr zweifeln. Ich will keine Angst mehr haben.

Jeder neue Tag der beginnt, ist ein Tag, an dem ich darum kämpfe, nicht an mir selbst, an meinen Zweifeln, meinen Ängsten, meiner Panik zu ersticken. An manchen (fast allen) Tagen merke ich, dass das aussichtslos ist.

Ich balanciere. Über dem Abgrund. Und ich sehe kein sicheres Ufer, in welche Richtung ich mich auch wende. Es wäre leicht, so leicht, einen Schritt daneben zu setzen.

So leicht, dafür zu sorgen, dass es endlich still ist.

Now playing: End Of Green - Tragedy Insane
2.11.09 23:28


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