Poesie

Ungefähr zwischen meinem 14. und 16. Lebensjahr habe ich ziemlich viele Gedichte geschrieben. Ich kritzelte sie im Unterricht in meine Hefte, wenn ich mal wieder nicht zuhören konnte oder wollte und schrieb ganze Blöcke mit Entwürfen voll. Ich versuchte auszudrücken, wie es mir ging und was ich in dieser Zeit tat. Und wenn ich auch nie der Meinung war, ich sei ein literarisches Wunder (was bei meinem geringen Selbstvertrauen sowieso völlig unmöglich gewesen wäre), so fand ich sie doch immerhin gut genug, um sie auf meinen damaligen Blog zu stellen und sie das ein oder andere Mal herzuzeigen.

Heute habe ich sie wieder einmal hervorgestöbert. Natürlich kann ich kein objektives Urteil fällen, für gewöhnlich urteilt niemand härter über etwas als derjenige, der es selbst geschaffen hat. Doch ich komme nicht umhin, mir einzugestehen, das mindestens 90% meiner Gedichte einfach schlecht waren. Ich bin mir nicht ganz sicher warum. Ob es an den plumpen, fast schon erzwungenen, Reimen liegt, der sich viel zu häufig wiederholenden Wortwahl oder den ungelenken Umschreibungen meiner Gefühlswelt - alles in allem halte ich meine Machwerke aus rein "poetischer" Sicht für schauderhaft. Vielleicht lag es daran, dass ich damals noch üben musste, mich auszudrücken, vielleicht war mein Wortschatz einfach noch nicht umfassender, vielleicht war ich auch einfach tatsächlich so verwirrt, wie ich es auszudrücken versuchte. Vielleicht habe ich in der Zwischenzeit einfach zu viele wirklich gute Sachen gelesen. Oder vielleicht hatte ich auch einfach kein Talent.

Sieht man allerdings über die Tatsache hinweg, dass in mir nie die Schriftstellerin steckte, die ich vor 5-6 Jahren (und manchmal auch heute noch...) gerne gewesen wäre und konzentriert sich rein auf den Inhalt, finde ich die Gedichte in erster Linie sehr traurig und verzweifelt. Und beunruhigend. Würde ich von jemand anderem Gedichte mit solchem Inhalt lesen, würde ich mir definitiv Sorgen machen. Ziemlich viele Sorgen.

Und ich frage mich, warum das bei mir nicht der Fall war. Es gab durchaus Personen, denen ich mich, wenn auch zaghaft, mitgeteilt habe und die das ein oder andere lesen durften. Durchaus drastisches Material. Aber scheinbar nicht drastisch genug. In all den Debatten um "durchgedehte Amokläufer" und den wir-haben-doch-nichts-geahnt-Argumentationen ist immer nur von einer stillen, zurückhaltenden Person die Rede. Einfach ein bisschen merkwürdig. Hat sich abgesondert. Blablabla. Ich wüsste gern, wie viele von diesen durchgedrehten stillen Personen einen Stapel Gedichte/Geschichten/Tagebucheinträge/was auch immer rumliegen haben, die sich nur darum drehen, wie verdammt beschissen es ihnen geht. Die bestimmt auch von ein paar Menschen gelesen und dann ignoriert wurden.

Wenn ich auch nie den richtigen Nerv für sprachliche Feinheiten hatte, so waren meine Gedichte vor allem eines: offen. Wer sie las, dem sprang förmlich ins Gesicht, dass ich depressiv war. Und trotzdem wurde es nie angesprochen. Trotzdem wurde es tabuisiert, ignoriert, totgeschwiegen, verleugnet. Ich weiß noch, wie oft meine Mutter mir entgegenschrie, es sei alles meine Schuld, da ich mich nie mitteilte. Ich weiß aber auch noch, dass sie meine Tagebücher las und deshalb wusste, was in mir vorging.

Ich glaube heute, dass so ziemlich jeder in meinem Umfeld mitverfolgen konnte, wie es mit mir abwärts ging. Aber keines der vielen vielen Anzeichen, vor allem keines der unzähligen Gedichte, motivierte auch nur einen einzigen dazu, mir seine Hilfe anzubieten. Und verdammt, ich hätte damals Hilfe gebraucht. Habe sie mir sogar gewünscht, wusste nur leider nicht wohin.

Ich finde das traurig. Ich finde es wahnsinnig traurig, dass ein 14-jähriges Mädchen, das damals so offensichtlich in Schwierigkeiten steckte, so völlig allein gelassen wurde. Ich war noch so jung, ich war ja noch ein Kind. Aber selbst als ich später offen um Hilfe bat, bin ich nicht weit damit gekommen. Meine Mutter war gnadenlos. Die Welt war gnadenlos.

Und heute bin ich gestört. Total verdreht und irgendwie ... zersplittert. Ich habe wahnsinnige Verlassensängste, nicht das geringste Vertrauen in mich selbst und fühle mich als der wertloseste Haufen Dreck, den diese Welt je gesehen hat. Ich glaube manchmal, ich sollte eine Therapie machen, aber ich habe nicht den Mut dazu. Ich glaube manchmal ich sollte eine Therapie machen, aber ich bin immer davon überzeugt, dass ich diese Zuwendung nicht verdient habe, dass ich die Mühen nicht wert bin und dass es einen verdammten Grund dafür gibt, dass mir niemals zugestanden wurde, mich nicht völlig minderwertig zu fühlen.

Ich frage mich oft, wie viel von alldem abgewendet hätte werden können, hätte man im richtigen Moment das richtige getan. Das frage ich mich bei all den gestörten Personen auf dieser Welt. Ich weiß es nicht. Vielleicht hätte man auch gar nichts ändern können, vielleicht war mein Weg schon vorgezeichnet und der Niedergang absehbar. Vielleicht war ich von vornherein verdorben.

Ich schreibe heute keine Gedichte mehr. Ich würde es manchmal gern tun, aber ich habe nicht nur Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, auch den Sinn kann ich nicht erkennen. Ich glaube, das nennt man Resignation.

Now playing: Das Scheit - Come Undone

4.10.09 12:53


Dazwischen

Irgendwo...zwischen all der Sinnlosigkeit, dem Grau und der Verzweiflung, gibt es manchmal diesen Tag, an dem alles anders ist. An dem man dankbar ist, dass man eine beste Freundin hat, mit der man Zuckerwatte-Labellos kaufen kann. An dem man weniger denkt und dafür mehr fühlt.

Warum... kann ich nicht immer so fühlen? Warum folgt immer wieder, immer schneller das tiefe, dunkle Nichts, aus dem ich mich so lange nicht mehr herauskämpfen kann? Warum stürzt alles zusammen, was ich aufbaue, immer wieder von vorn, von vorn, von vorn? Warum glaube ich daran, wenn ich mich selbst belüge? Warum bin ich enttäuscht, wenn ich herausfinde, dass alles nur gelogen war? Und warum überkommt mich immer häufiger der Gedanke, dass ich mich gar nicht mehr herauskämpfen will?

Warum kann ich nicht dazwischen sein? Einfach nur dazwischen...

Now Playing: Janus - Paulas Spiel

15.10.09 22:48


Mauern

Es gibt Tage (viele Tage), da glaube ich, dass ich etwas an mir habe, etwas ausstrahle, was die Menschen im Allgemeinen nicht mögen. Es gibt so viele Tage, an denen ich so fest davon überzeugt bin, dass man mir nur ins Gesicht schauen muss, um meine Unzulänglichkeit bis in den kleinsten Winkel zu erfassen. Ich fühle, wie mir all meine Unsicherheit, meine Dummheit, meine kleingeistige, nervtötende, jämmerliche und anmaßende Persönlichkeit auf die Stirn geschrieben steht. Und so sehr ich auch versuche, es zu verbergen, sie wissen es. Sie sehen es. Alle. Jeder. Die ganze Welt.

An manchen Tagen glaube ich, ich kann es verbergen. Zumindest ein bisschen. Für kurze Zeit, für einen Moment, kann ich so tun, als wäre ich wenigstens etwas normal. Sowas wie annehmbar. In dieser Zeit baue ich Mauern. Hohe Mauern, dicke Mauern, blickdicht bis in den Himmel, damit mir niemand mehr so genau ins Gesicht schauen kann, falls doch wieder etwas durchrutscht.

Ich hoffe jedes Mal, dass die Mauern mich vor den allzu genauen Blicken der Menschen schützen. Ich hoffe, dass jeder dann nur sehen kann, was ich außen draufgemalt habe, das Scheinbild, das Ideal-Ich, die Person, die ich so unheimlich gern sein würde und die ich doch einfach nicht sein kann. Diese perfekte Frau, die alles im Griff hat, die nicht von rasenden Gedanken geplagt wird, die keine Mauern bauen muss, weil ihr niemand, kein Blick, kein Wort und auch kein Gedanke etwas anhaben kann.

Manchmal habe ich meine Mauer auch wieder eingerissen. Weil sie so einsam macht, weil sie absolut nichts durchlässt und weil ich Sehnsucht hatte. Nach Nähe, Freundschaft, Liebe... Und bisher war es immer falsch, so unendlich falsch.

Denn irgendwann kommen alle Menschen, die mir emotional nahe sind, die hinter die Fassade blicken, an einen gewissen Punkt. Sie erkennen, wie ich wirklich bin. Und vor allem erkennen sie, wie schlecht ich bin.

Wieviel Mühe ich mir auch gebe, wieviel ich auch investiere, wie sehr ich auch liebe und gebe, irgendwann merken sie es. Und dann verliere ich sie. Dann enttäusche ich sie. Dann bin ich so anstrengend, so egoistisch, so depressiv, so arrogant, so schlecht.

Dann bin ich das Insekt.

Ich weiß nur nicht so richtig, was genau meine Schlechtigkeit ausmacht. Was der Kern ist. Der Grund. Ich weiß nicht, warum ich all die Menschen verliere, die ich liebe, die mir wichtig sind. Denen ich Stück für Stück meine Persönlichkeit zeige, denen ich Teile meiner Geschichte erzähle und denen ich zuhöre, wenn sie sich von der Seele reden, was sie zu sagen haben. Ich weiß nur, dass es immer wieder passiert.

Und ich würde es so gern richtig machen. Ich wüde alles dafür geben, wenn ich nur wüsste, was ich tun muss. Was ich ändern muss. Was ich geben kann, damit ich es verdiene. Welche Opfer nötig sind, dass ich nicht mehr nur auf Unverständnis und Ablehnung stoße.
Ich würde alles tun. Alles was nötig ist, damit ich es endlich wert bin, geliebt zu werden. Damit ich ausmerzen kann, was schlecht an mir ist, damit ich vergessen kann, dass bisher jeder gemerkt hat, dass ich, als Mensch, ein einziger großer Makel bin. Damit ich mich endlich so fühle, als ob ich ein Recht hätte, da zu sein. Und damit ich nicht mehr soviel Angst habe.

So unheimlich viel Angst, dass es bald wieder soweit ist.

Now playing: Das Scheit - Come Undone
19.10.09 23:58


Ich suche

Ich bin auf der Suche. Ich suche, suche, suche. Nach mir, nach meiner Identität, nach einem Platz in dieser Welt, nach einem Grund, der es mir erlaubt, am Leben zu sein, aber vor allem suche ich nach dem "Warum?".

Ich wünsche, oh, ich wünsche, wenn ich nur einen Wunsch frei hätte, ich würde mir wünschen, diese endlose (sinnlose) Suche wäre endlich vorbei. Das große Drama meines Lebens, die große Suche nach dem "Warum?". Warum liebst du mich nicht, warum hasst du mich, warum ich, warum bin ich es nicht wert, warum sind alle anderen so viel wertvoller, was habe ich denn nur falsch gemacht? Warum hast du es nicht gesehen, warum hast du nicht reagiert, warum hast du es ausgenutzt, warum ging es dir so verdammt gut dabei?

Ich habe gearbeitet, geschuftet, habe gebettelt, mich verdreht und verbogen, mich förmlich zerrissen, um deine Anerkennung zu verdienen, ohne überhaupt sagen zu können, warum sie mir so unendlich wichtig erscheint. Vielleicht weil es doch eigentlich so natürlich ist. Weil es das natürlichste auf der Welt sein sollte, wenigstens von dir bedingunglos geliebt zu werden. Vielleicht, weil du mein Universum warst, solange ich zu klein war um nur über den Tellerrand hinauszuschauen und vielleicht, weil du der Mensch bist, der die Fehler der anderen auch sah und sie trotzdem liebte.

Aber meine Fehler waren unverzeihlich. Sie waren so offensichtlich, so zahlreich, so groß und vor allem waren sie verurteilenswert. Du verlangtest Perfektion, ich verlangte Nähe, du gabst nur Zweifel und Kritik, ich zerbrach.

Und dass ich zerbrach, hat dich am wütendsten gemacht. Dieses kleine merkwürdige Ding, das nichts richtig machen kann, dieses hässliche dumme Kind mit seinen Bedürfnissen.

Natürlich war es zu viel verlangt. Viel zu viel zu viel, dass du auch nur einen Teil der Verantwortung tragen würdest, für die du dich einst entschieden hast. Es war leichter, in deinen Augen womöglich auch sinnvoller (oder nur bequemer?), sie einfach an mich abzugeben, wo ich doch kaum wusste, welche Bedeutung dieses verdammte Wort so in sich trägt. Verantwortung.

Ich kann sie immer noch nicht an dich zurückgeben. Ich will es so gern, doch ich weiß nicht wie. Ich trage immer noch alles mit mir rum, was du mir aufgeladen hast. Ich kann dir noch nicht mal die Verantwortung für das zurückgeben, was du damit ausgelöst hast. Du bist schuld daran, dass es mir schlecht geht, aber ich hasse mich dafür. Jedes Mal. Es richtet sich immer gegen mich. Meine Fehler, meine Probleme, meine Dummheit, meine Unsicherheit, meine Scherben, meine zerfetzten Arme.

Wenn es sich wenigstens gegen uns alle gerichtet hätte. Dann wärst du in meiner Erinnerung vermutlich nur dieses große böse Etwas. Gestaltlos und gruselig, aber wenigstens ein gemeinsamer Feind. Aber du warst so verdammt selektiv und damit immer hervorragend darin, mir das Gefühl zu vermitteln, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. Du hast mir gezeigt, dass du lieben kannst, nur mich eben nicht.

Und damit drehe ich mich im Kreis. Rum und rum und rum. Immer wieder von vorn.
Ich suche. Ich suche nach dem verdammten "Warum?". Es hört nicht auf.

Now playing: Janus - Die Tage werden enger
23.10.09 18:45


My fairweather friend

It's a sunny day in heaven
And no one is around
To open the gates
And I'm waiting for you
My fairweather friend
Absent in the end
Absent in the end
The one thing I can count on
Is nothing much at all
The one thing that I'm sure about
Is that you won't be anywhere around me when I fall
I'd like to think I wouldn't die for you, but you know I would
'Cause that's the fool I am
And that's the rule you bend
Absent in the end
My fairweather friend

The one thing I can count on
Is nothing much at all
The one thing that I'm sure about
Is that you won't be anywhere around me when I fall
I'd like to think I wouldn't die for you, but you know I would
'Cause that's the fool I am
And that's the rule you bend
Absent in the end
My fairweather friend

My fairweather friend

It's a sunny day in heaven

It's a sunny day in heaven
And no one is around
To open the gates
And I'm waiting for you
My fairweather friend
Absent in the end
Absent in the end
The one thing I can count on
Is nothing much at all
The one thing that I'm sure about
Is that you won't be anywhere around me when I fall
I'd like to think I wouldn't die for you, but you know I would
'Cause that's the fool I am
And that's the rule you bend
Absent in the end
Love you only bend
Wounds you'll never mend
My fairweather friend

Emilie Autumn - My fairweather friend

28.10.09 22:06


| Home |
~
| The Asylum |
~
| Wonderland |
~
| Spare Room |
~
| Eternity |
~
| Morgue |

~

I feel like a child
crying for nothing
yet my heart
is dying for real

~



Gratis bloggen bei
myblog.de