Abwärts

Im Moment fühle ich mich ständig den Tränen nahe. Meine Stimmung schwankt so schnell, dass ich selber kaum noch mitkomme. Von traurig zu wütend zu müde zu deprimiert zu rasend zu lethargisch zu ängstlich zu genervt zu erschöpft zu aggressiv zu wasauchimmer. Ich habe das Gefühl, keine Sekunde allein sein zu können, kann es aber gleichzeitig nicht ertragen, wenn jemand bei mir ist. Mein Liebster, der versucht, alles richtig zu machen und der doch nie gewinnen kann, weil einfach alles unerträglich und zu viel ist, schleicht nur noch auf Zehenspitzen durch die Wohnung, um mich nicht wieder explodieren zu lassen. Ich bin ein Miststück.

Ich versuche mich zu überreden, noch ein wenig durchzuhalten, nur noch ein bisschen, bis ich Semesterferien habe. Dann kann ich zusammenbrechen und im Bett liegen und heulen, eine ganze Woche lang oder auch zwei oder drei, völlig egal. Nur noch ein bisschen. Aber es hilft nicht.

Ich krauche meine Bahn, irgendwie, aber ich mag nicht mehr. Ich habe es satt, immer nur 4-5 Stunden zu schlafen, weil irgendein kranker Gedanke in mir davon überzeugt ist, dass ich mir nicht mehr erlauben darf und weil ich ja auch keine Zeit habe, keine Zeit um mehr zu tun als zu lernen und zu lernen und ein bisschen zu weinen und dann weiterzulernen, während mich das Gefühl erdrückt, dass ich immer dümmer werde.

Und ich wünsche mir so sehr, ich könnte alles irgendwie normaler angehen, könnte aufhören zu glauben, meine Daseinsberechtigung wäre untrennbar mit meiner Leistungsfähigkeit verbunden oder wenigstens einen realistischen Maßstab ansetzen, aber ich kann nicht. Und meine Gedanken rasen und ich schrecke nachts mindestens drei Mal auf, weil ich geträumt habe, ich hätte irgendetwas vergessen, etwas wirklich Wichtiges, aber nie fällt mir ein, was es war und ich brauche lange, bis ich wieder einschlafen kann. Gleichzeitig ist meine Konzentrationsfähigkeit gleich null, jeder Gedanke entgleitet mir, verläuft sich, kommt nicht dort an wo er hingehört und ich fühle mich, als würde ich Stunden brauchen, Stunden für alles und nichts.

Manchmal glaube ich dann, dass ich kurz davor bin, alles gegen die Wand zu fahren und es ist mir egal. Manchmal bin ich mir auch nicht mehr sicher, ob es wirklich die Umstände sind, die mich so quälen oder ob ich das in Wahrheit selbst bin, aber letztlich ist mir das auch fast egal. Weil ich mich sowieso wieder auf den Punkt zubewege, an dem alles egal ist, an dem alles sinnlos und nutzlos ist, an dem ich nicht mehr will, dass irgendetwas Sinn ergibt oder wichtig ist, weil ich überhaupt nichts mehr will außer mich in einer Ecke zusammenzurollen um zu weinen.

Es geht abwärts. Immer nur abwärts. Und irgendwie ist mir selbst das egal.

Now playing: Demons & Wizards - Down Where I Am
25.7.10 01:04


Manchmal...

...fühle ich mich wie der dümmste Mensch der Welt.
...kann ich vor Angst und Anspannung die ganze Nacht nicht schlafen.
...kriege ich Heulkrämpfe bei dem Versuch, etwas zum anziehen zu finden.
...überfordert mich jede Kleinigkeit.
...kann ich keinen einzigen klaren Satz formulieren.
...ertrage ich den Blick in den Spiegel nicht.
...scheint mir Schmerz die einzig logische Konsequenz zu sein.
...halte ich mich für zu wertlos um Bedürfnisse zu haben.
...lässt mich allein der Gedanke an den nächsten Tag innerlich sterben.
...versuche ich mir einzureden, ich würde nicht existieren.
...habe ich das Gefühl, das alles verdient zu haben.
...möchte ich aufgeben.

Now playing: Janus - Was uns zerbricht
16.7.10 00:26


Scherben

Alles in mir zerbricht, zerbricht, zerbricht. Jeder Schritt den ich gehe, scheint einer zuviel zu sein, jeder Gedanke in meinem Kopf ist viel zu laut, mein Herz zerreißt und ich weiß nicht warum.

Ich weiß nicht, was es ist. Was genau mich von innen zerfrisst, was mich zersplittern lässt und alles so viel schwerer macht. Ich traue mir selbst nicht mehr.

Es gab Zeiten, die leichter waren. Nicht gut. Es war niemals gut. Aber es gab Zeiten, in denen ich den Schmerz ertragen konnte, in denen ich so tun konnte als ob, in denen es möglich war, nicht auseinanderzubrechen. Und ich weiß nicht wo die hin sind.

Ich nehme all die Scherben, jedes Mal, und versuche sie wieder zusammenzusetzen. Wie ein Puzzle mit Splittern von mir selbst, die mich stechen, die mich verletzen. Und jedes Mal entstehen neue Teile, mehr Teile, weil wieder etwas zerbricht und es wird schwerer, so viel schwerer, alles aneinanderzufügen.

Weil es nicht passt. Weil es zuviel ist. Und weil etwas fehlt, das alles zusammenhält.

Und eine kleine Stimme in mir flüstert mir zu, dass es genug ist, dass ich aufhören soll, dass es einfach nicht mehr geht. Eine kleine Stimme flüstert von der Ruhe und der Dunkelheit. Eine kleine Stimme sagt mir, dass sie es einfach nicht mehr ertragen kann, alles noch einmal zusammenbrechen zu sehen. Immer wieder.

An Tagen wie heute kann ich nicht anders, als dieser Stimme zuzuhören. Und ihr zu glauben. Weil ich mir selbst nicht mehr trauen kann. Und weil ich jede einzelne Scherbe, jedes Fragment von mir selbst so sehr hasse.

Now playing: Katatonia - Don't Tell A Soul
30.6.10 19:11


Mein Herz, mein Herz ist traurig...

Mein Herz, mein Herz ist traurig,
Doch lustig leuchtet der Mai;
Ich stehe, gelehnt an der Linde,
Hoch auf der alten Bastei.

Da drunten fließt der blaue
Stadtgraben in stiller Ruh;
Ein Knabe fährt im Kahne,
Und angelt und pfeift dazu.

Jenseits erheben sich freundlich,
In winziger, bunter Gestalt,
Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,
Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

Die Mägde bleichen Wäsche,
Und springen im Gras herum;
Das Mühlrad stäubt Diamanten,
Ich höre sein fernes Gesumm.

Am alten grauen Turme
Ein Schilderhäuschen steht;
Ein rotgeröckter Bursche
Dort auf und nieder geht.

Er spielt mit seiner Flinte,
Die funkelt im Sonnenrot,
Er präsentiert und schultert -
Ich wollt, er schösse mich tot.

~ Heinrich Heine ~
25.6.10 00:17


Zu viel

Gerade in diesem Moment ist mir alles zu viel. Es kommt von allen Seiten, von überall her und es wird immer mehr, mehr, mehr. Anforderungen und Termine und wahnsinnig wichtige Dinge, die dringend und entscheidend sind, die erledigt werden müssen, am besten sofort oder noch besser gestern. Die Realität stürzt auf mich ein und ich kann nichts dagegen tun. Und dann kommt einer, der etwas von mir wissen will, was ich nicht weiß und einer, der mir 100 neue Aufgaben in die Hand drückt und sagt "erledige das bis morgen" und einer, der wegen mir enttäuscht ist und einer, der mich enttäuscht und einer, der noch ein Loch in meine bröckelnde Verteidigungsmauer reißt, einfach nur so, und natürlich einer, den ich abgrundtief hasse und von dem ich erkennen muss, dass ich es selbst bin.

Mein Kopf ist schwer und mein Herz noch viel schwerer und ich bin müde, unendlich müde. Kraftlos und erschöpft, aber daneben auch einfach wirklich nur müde im ganz grundsätzlichen Sinne, weil ich mich kaum noch zu schlafen traue, wo ich doch für alles so unglaublich viel Zeit brauche. Ich bin zu langsam und ich verstehe nichts, weiß nichts, kann nichts. Jeder Gedanke verschwindet in einem verworrenen Netz aus Angst und übertriebenen Ansprüchen und kommt nicht mehr zurück. Nichts wird so, wie es werden soll, obwohl ich doch alles besser, schneller, perfekter machen wollte. Und sollte. Muss.

Ich muss es schaffen, muss es können, muss es jetzt können. Ich muss den Dingen entgegentreten, mich trauen, alles überwinden, aufstehen, stark sein, kompetent. Und ich weiß nicht wie, ich weiß es nicht. Innerlich sehe ich das Bild der Person, die ich sein müsste, um alles zu schaffen, was gerade wichtig ist und im Spiegel sehe ich ein elendes Nichts, ein unfähiges, hässliches, dummes, fettes, inkompetentes und jämmerliches Stück Dreck und es passt einfach nicht zusammen.

Es ist noch nicht lange her, dass ich völlig ins Bodenlose gestürzt bin und ich bin noch gar nicht wieder aufgestanden, da muss ich weiter, weiter, weiter. Und ich darf nicht weitertaumeln, ich muss rennen, immer schneller rennen. Und wenn ich einen Wunsch frei hätte, nur einen Wunsch, dann würde ich mir 2 Wochen (Monate) im Dunkeln wünschen. Im Dunkeln, in Ruhe und allein. Ich würde dicht machen, alles zumachen, mich ausklinken, aufgeben, mich verstecken und mir einreden, dass es für immer ist. Und vielleicht würde ich auch nie mehr vorkommen, vielleicht würde ich für immer im Dunkeln in meinem Bett liegen und gar nichts fühlen und feststellen, dass es das beste Gefühl auf der ganzen Welt ist. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es die Dunkelheit, in der mich niemand findet.

Now playing: The Wounded - Running On Empty
15.6.10 22:57


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I feel like a child
crying for nothing
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is dying for real

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